Wochenrückblick (KW51)

So, das Jahr neigt sich unweigerlich dem Ende und das in großen und, fast gefährlichen, Schritten. Zur gleichen Zeit geht meine Therapie hier in Rosenheim ungebremst weiter. Durch verschiedene Therapieformen komme ich zurzeit dem grundliegenden Problem meiner Störung immer näher und merke, von Tag zu Tag mehr, dass der Grundstein zu meiner Krankheit schon vor sehr langer Zeit gelegt wurde. Der erste Baustein, der meiner Krankheit zu Grunde liegt, ist auf jeden Fall mein Selbstwert und die Tatsache, dass ich absolut gar nichts von mir selbst halte. Ich habe diese Woche öfter positives Feedback und auch Lob von meinen Freunden und den Therapeuten hier bekommen, jedoch scheint es mir momentan unmöglich dieses Feedback wirklich für mich anzunehmen. Ich kann mich zwar auf einer rein logischen Ebene durchaus über die Worte, welche mir entgegengebracht werden, freuen, aber zur gleichen Zeit hinterfrage ich die Hintergründe, die der Aussage meines Gegenübers zu Grunde liegen. Jedes Mal, wenn mir etwas positives über mich v ermittelt wird, nehme ich den Satz und drehe ihn ins Negative, weil ich einfach nie wirklich gelernt habe, auf emotionaler Ebene, mit so etwas umzugehen. Wir haben in einer Therapie mal eine gute Metapher für mein Problem gefunden in dem wir es mit einem Spiel für kleine Kinder verglichen haben, bei dem das Kind verschiedene Bausteine durch, die dafür vorgesehenen Löcher in einem Brett stecken muss. Nun ist es bei mir so, dass ich ein Brett besitze, welches verschieden geformte Löcher für verschiedene Arten von Feedback besitzt. Hier finden sich Ausschnitte für Kritik, Beleidigungen, negatives Feedback, usw. Wenn nun jedoch ein positives Feedback kommt, kann ich, respektive der emotionale Teil meines Gehirns, nichts mit diesem Baustein anfangen und ich bin mit der Situation überfordert, bzw. verstehe ich einfach nicht, was ich damit anfangen soll.

Soviel nun zum eigentlichen Problem und nun zur Lösung. Da dieses Loch einfach gerade nicht besteht, gibt es für mich eigentlich nur die Lösung, dieses Loch von innen heraus in das Brett zu sägen. Dazu verfolgen wir im ersten Schritt den Ansatz, dass wir zunächst nach der Ursache suchen, warum dieses Loch in meiner jugendlichen, bzw. in meiner kindlichen Entwicklung nicht, wie üblich von allein entstanden ist. Durch diese Ursachenforschung werden wir versuchen, die benötigte Form für diesen Baustein zu finden. Im zweiten Schritt gilt es dann mein Verhalten dahingehend anzupassen, dass ich in die Lage versetzt werde, diese neue Art von Feedback zuzulassen, was gleichbedeutend damit ist, ein Loch in der passenden Form in mein Brett zu bekommen. Dieser Prozess kann hier angestoßen, jedoch nicht vollendet werden. Ich bin mir also im Klaren darüber, dass die Arbeit an diesem Problem zu Hause weitergehen wird und ich noch viel Zeit für mich benötigen werde, um dem Problem endlich Herr zu werden. Bis dahin weiß ich jedoch, woran ich arbeiten muss.

Warum konnte ich das nun nicht zu Hause herausfinden, fragt ihr euch sicherlich und ich habe mir dieselbe Frage schon mehrmals gestellt. Anfangs bin ich nicht auf eine zufriedenstellende Antwort gekommen, bis ich mich mal zurückversetzt habe in die Hochzeit meiner Essstörung und mir klar wurde, dass ich die letzten Monate 95% meiner zeit damit verbracht habe, über Essen, Sport und meinen Körper nachzudenken. Da mir diese Gedanken in der Klinik komplett genommen wurden und ich mich darauf verlassen kann, dass mich die Therapeuten und Ärzte hier nicht mästen wollen, kann ich meinen Fokus auf das eigentliche Problem richten. An dieser Stelle möchte ich auch unbedingt meiner ambulanten Therapeutin danken, ohne die ich nicht an der Stelle wäre, an der ich mich jetzt befinde. Nur durch die gute Vorarbeit konnte ich bisher so gut an mir weiterarbeiten.

Der Rest der Woche wurde vom allgemeinen Weihnachtsblues geprägt, der das Geschehen hier eindeutig immer mehr im Griff hat. Die Grundstimmung wird von Minute zu Minute gefühlt schlechter und wird sich zum heiligen Abend dem Tiefpunkt nähern… Aber so ist das nun Mal.

Bleibt achtsam und, vor Allem, gesund.

Und für die Datenliebhaber:

  • Anfangsgewicht vor Aufenthalt: 59,6 KG
  • Momentangewicht: 71,9
  • BMI: 21,2
  • Zielgewicht: Klinik 71 KG (Persönlich: 85 KG)
  • Ziel-BMI: Klinik 21 (Persönlich: 25,1)

Euer Martin

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