Wochenrückblick (KW45)

Eine weitere Therapiewoche geht schon wieder zu Ende und ich merke immer mehr und auch immer wieder, dass etwas in mir arbeitet. Es gibt zur Zeit einige Themen, an welchen ich hier effektiv arbeiten kann und wo ich merke, dass diese etwas in mir auslösen, wenn ich versuche eine Verbindung zu Ihnen aufzubauen.

Auf der einen Seite ist da die soziale Komponente, die ich in meinem Leben in den letzten Jahren gänzlich vernachlässigt habe. Ich habe mich durch meine Krankheit immer mehr und mehr die Kontrolle über mich und mein Leben verloren, habe den Sport und die Essstörung vor alles Andere in meinem Leben gestellt und den Blick auf das Wesentliche verloren. Dadurch war es mir nicht möglich irgendwelche Freundschaften zu knüpfen. Selbst die Leute in meinem Fitnessstudio, die ich auch in meiner Zeit dort sehr lieb gewonnen habe, konnten daran nichts ändern. Mein Essen / Nicht-Essen und das Kotzen hatten mich nach dem Sport vollkommen im Griff, da war irgendwann auch keine Zeit mehr für Freundschaften oder sogar eine Beziehung. Das fühlt sich im Nachhinein für mich ziemlich schrecklich an und macht mir Angst, da ich nicht weiß, ob ich außerhalb dieses Kliniksettings hier jemals wieder in der Lage sein werde echte, freundschaftliche Beziehungen aufzubauen, aber ich werde es versuchen und die Dinge die ich hier lerne anwenden um mein Lebe nach der Klinik mit schönen neuen Erfahrungen und Momenten zu füllen. Das wird ein komplizierter und steiniger Weg, jedoch werde ich auch diesen gehen. Wohin er mich führt kann ich aber auch erst am Ende sagen.

Auf der anderen Seite analysieren wir immer weiter, warum mein Kopf und mein Körper, auf emotionaler Ebene, zur Zeit nicht verbunden sind. Um euch das ein wenig zu beschreiben, ohne zu tief einzutauchen, da ich ja noch daran arbeite, kann ich euch nur sagen, dass ich, wenn ich in der körperlichen Verfassung dazu bin, aus irgendeinem Grund diese Verbindung verliere. Wenn mein Körper komplett ausgelaugt ist, gelingt es mir hin und wieder echte Emotionen zu spüren und auch zuzulassen. Wenn ich jedoch Energie übrig habe springt ein Automatismus an, welcher jede Art von Emotion vernichtet. Durch einige Achtsamkeitsübungen, wie den sog. Body-Scan ist es normalerweise möglich, diese Gefühle und, vor Allem auch, die physische Verbindung zum Körper zu spüren und zu analysieren, wenn ich momentan allerdings versuche, meinen Körper achtsam wahrzunehmen gelingt mir das überhaupt nicht. Zur gleichen Zeit ist es dazu auch noch so, dass ich mich nicht selbst sehen kann. Wenn ich mich z.B. im Spiegel betrachte oder ich versuche mir mich aus der dritten Person vorzustellen, sehe ich nur eine Hülle eines Menschen, einen Avatar, wenn ihr wollt und das macht mir Sorgen, denn ich weiß nicht so richtig wie und wo ich da ansetzen kann, um diese Verbindung wieder aufzubauen. Aber… genau dazu bin ich ja hier in der Klinik und habe ein professionelles Team und nette Mitpatient*innen, die mich auf meiner Reise unterstützen.

Soweit zu dieser Woche, mir geht es prinzipiell immer besser und ich komme gut voran, es wird aber noch ein langer und anstrengender Weg in den nächsten Wochen.

Hier noch die aktuellen Daten:

  • Anfangsgewicht vor Aufenthalt: 59,6 KG
  • Momentangewicht: 61,3 KG
  • BMI: 18,3
  • Zielgewicht: Klinik 71 KG (Persönlich: 75 KG)
  • Ziel-BMI: Klinik 21 (Persönlich: 22,2)

Ich denke an euch Alle und bleibt achtsam, meine Freunde.

Hab euch alle lieb, euer Martin

Schreibe einen Kommentar