Wochenrückblick (KW4, KW5, KW6)

So, jetzt mal ein längerer Kommentar zu den letzten Wochen. Wie ich ja geschrieben hatte, waren die letzten Wochen und Tage nach der Klinik für mich recht turbulent und auch ein wenig unruhig, aber trotzdem auch spannend und schön. Es ist sehr viel passiert und mein Leben hat einige starke Wendungen genommen, die ich euch nun ein wenig näher bringen werde.

In den letzten tagen in der Klinik in Rosenheim konnte ich zu einer meiner Mitpatientinnen eine stärkere Bindung aufbauen und wir haben nach einiger Zeit beschlossen, dass es eine gute Idee wäre, sie als Mitbewohnerin in meiner Wohnung in München aufzunehmen. Da sie eh vor hatte, in nächster zeit den Schritt von zu Hause in eine neue Umgebung zu wagen und ich mir auch vorgenommen hatte meine Wohnung mit jemandem zu teilen, sind wir und auch relativ schnell einig geworden, dass dieser Schritt für uns beide Vorteile bringen kann.

Währenddessen sind wir uns auch als Freunde näher gekommen und konnten eine sehr starke Bindung zueinander aufbauen. Wir verbrachten viele gemeinsame Stunden, redeten, hatten Spaß miteinander und lernten uns näher kennen. In dieser Zeit wurde der Beschluss des Zusammenziehens dann auch gefestigt und finalisiert. So kam es dann, dass wir gesagt haben, dass sie nachdem wir beide am 28.01 unsere Zelte in Rosenheim abbrachen, am 31.01 vorübergehend zu mir kommen sollte um ein paar Nächte auf Probe zu verbringen und zu schauen, ob das gemeinsame Vorhaben überhaupt umsetzbar ist. Schon am ersten Tag der Trennung voneinander merkte ich jedoch, dass sie mir sehr fehlt und ein großes Loch in mir hinterließ, welches ich so schnell wie möglich wieder füllen wollte und ich entschied mich, noch am 29.01 zu ihr zu fahren und die kommenden zwei Nächte bei ihr zu verbringen. In dieser Zeit lernte ich auch einen teil ihrer Familie kennen und wir verstanden uns auf anhieb recht gut. Auch mit ihr merkte ich, dass die Verbindung außerhalb der Klinikebenfalls bestand hatte und ich mich in ihrer Nähe sehr geborgen fühlte.

Nach den zwei Nächten bei mir brachen wir also auf nach München um dort auch noch unser gemeinsames Leben zu erproben. Hier war es ebenso so, dass wir gut miteinander auskamen und wir auf jeden Fall zusammenziehen werden. Um dies nun zu bewerkstelligen mieteten wir uns über das folgende Wochenende ein Auto um erneut in ihre Heimat zu reisen und dort ihre sieben Sachen zu holen. Auch diese Tage konnte ich mit ihr und ihrer Familie verbringen und auch diesmal war der Aufenthalt, bis auf ein paar Kleinigkeiten, recht harmonisch. Während unseres Aufenthaltes nutzten wir die Zeit ihre alte Wohnung auszuräumen, einige Dinge zu entsorgen, andere bei ihren Eltern unterzustellen und den Rest in unser Auto zu laden. Als wir am Montag dann Alles gepackt und im Auto verstaut hatten, fuhren wir am Dienstag wieder nach München und nutzten den Rest der Woche zum Ankommen, Auspacken und Aufbauen. Wir erledigten dann noch den benötigten Papierkram um das Mietverhältnis zu regeln, machten ein paar Ausflüge und verbrachten einfach ein paar schöne Stunden miteinander.

Nun ist es also so, dass ich seit ein paar Tagen nicht mehr alleine in meiner Wohnung lebe und ich kann euch sagen, dass ich schon sehr lange nicht mehr so entspannt, angespannt, glücklich, geborgen, angekommen und zufrieden war, wie in dieser Zeit. Manche mögen nun sagen, dass es gefährlich ist, wenn zwei Essgestörte aus einer Klinik zusammenziehen und natürlich ist es so, dass dieses Zusammenwohnen einige Gefahren birgt, jedoch muss ich euch sagen, dass ich eher die Chancen sehe, die diese Verbindung mit sich bringt. Zu Konflikten kommt es in jedem Zusammenleben, auch wenn ich mit einer nicht essgestörten Person zusammengezogen wäre, jedoch kann eine “normale” Person nichts damit anfangen und denkt sich auch nichts Böses, wenn ich nach einem Streit o.Ä. mit dem Rad rausgehe oder anderweitig Sport treibe. Diese Person kann auch erstmal nichts damit anfangen, wenn ich unnötig Essen in mich schaufle und danach auf dem WC verschwinde. In der aktuellen Situation sehe ich die Vorteile die ein Zusammenleben mit einer weiteren Person mit dem ähnlichen Hintergrund mit sich bringt als überwiegend und ich werde den Versuch wagen.

Am Ende ist es so, dass mein Leben vor den Klinikaufenthalten ziemlicher Müll war und Alles was ich jetzt versuche die Situation eigentlich nur verbessern kann. Wenn ich nichts an meinem Leben ändere werde ich wieder genau dahin kommen, wo ich davor auch war und das will ich auf keinen Fall. Also ist dies nun der erste Schritt in eine gesunde und schöne Zukunft, welche es mir ermöglichen soll, endlich das Leben zu führen, welches ich mir seit so langer Zeit erwünsche.

Ich kann euch nur sagen, dass es die bisher beste Entscheidung war, die ich seit Langem getroffen habe und ich bin mir sicher, dass es mein Leben nachhaltig positiv beeinflussen wird.

Ich hoffe, dass ich die nächsten Rückblicke wieder regelmäßiger schreiben kann, aber habt ein Nachsehen, die letzten Wochen erlaubten es mir nicht euch genauer zu berichten.

Bis demnächst also, bleibt achtsam und gesund,

Euer Martin

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