Wochenrückblick (KW1)

Die erste Woche des Jahres geht zu Ende und meine Gedanken drehen sich immer mehr um das Leben nach dem Aufenthalt hier. In meiner letzten Einzeltherapiestunde haben wir das erste Mal über einen potentiellen Entlass-Termin geredet. Vorläufig ist nun der 28.01.2021 als Entlass-Datum gewählt und ich würde damit die Klinik nach 14 Wochen intensiver Behandlung verlassen. Ich werde hier oft gefragt und natürlich frage ich mich auch selbst, ob ich “bereit” bin für ein Leben nach der Klinik und in meinen Augen gibt es keine richtige Antwort auf die Frage. Ich bin der Meinung, dass ich niemals “bereit” sein werde für ein Leben nach der Klinik und ein Leben ohne Essstörung. Momentan sind meine Pläne aber wenigstens weit genug gereift, dass ich sagen kann, dass ich, mit hoher Wahrscheinlichkeit, ein Leben angehen kann, in welchem ich endlich wieder glücklich werden kann.

Zur Zeit geht es mir echt gut und ich kann mich immer mehr mit dem Gedanken anfreunden, dass ich mich einfach so akzeptieren muss, wie ich gerade bin, denn mir bleibt einfach nichts anderes übrig. Selbst wenn ich, zu dem Zeitpunkt, zu welchem ich z.B. die Zahl auf der Waage sehe etwas daran verändern möchte, so kann ich die Situation in just diesem Moment einfach nicht beeinflussen. Wenn ich logisch darüber nachdenke ist es ja sogar so, dass der Moment, zu welchem die Zahl angezeigt wird, schon in der Vergangenheit liegt. Ich kann die Anzeige ja eh nicht mehr ändern. Diese Denkweise lässt sich sehr gut mit dem Thema Achtsamkeit verknüpfen und in diese Richtung versuche ich mich ja schon seit einiger Zeit immer mehr zu entwickeln.

Ansonsten gibt es nicht allzu viel Neues momentan. Ich habe nunmehr immer mehr Freunde hier, bei denen ich merke, dass ich einfach so akzeptiert werde wie ich bin und an diese Menschen halte ich mich. Ich suche aktiv deren Nähe und deren Rat, wenn Fragen aufkommen oder ich mich emotional überfordert fühle. Ich merke hier immer mehr, dass der Kontakt zu Menschen mir ungemein hilft mit dieser Art Probleme fertig zu werden. Auch wenn ich das in Teilen von meiner Familie und meinen Kollegen bekomme, so ist der Kontakt zu den Menschen hier auf einer tieferen Ebene möglich, da wir einander einfach nochmal besser verstehen.

Soviel zu dieser ersten Jahreswoche, bleibt gesund und achtsam, meine Lieben und bis bald.

Euer Martin

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