Erst mal nach Unten

Es begann eigentlich Alles im Jahr 2012, als ich mich entschieden habe meinen Lebensstil und vor Allem mein Gewicht zu verändern. Zu dieser Zeit wog ich ca 105 Kilogramm auf eine Körpergröße von 184cm, ich war also doch ein “wenig” übergewichtig… Man sah es mir damals auch an und mir war auch klar, an was es lag. Ich habe mich die Jahre zuvor einfach nur von viel Fertignahrung, Fast-Food u.Ä. ernährt und habe mich zur selben Zeit nicht mehr bewegt als ein klassisches Faultier. Sport war nicht und selbst Spaziergänge oder andere Aktivitäten wurden hauptsächlich durch ausgedehnte Sessions vor dem TV oder dem PC ersetzt.

Es war dann, wie wohl bei vielen Menschen, an einem bestimmten Tag, an welchem ich auf der Waage im Bad stand, mich währenddessen im Spiegel betrachtete und merkte, dass ich mich in meinem Körper einfach nicht mehr wohl fühle. Ich beschloss also etwas daran zu ändern.

Ich nahm mir vor sowohl mit dem Sport zu beginnen (Im Fitnessstudio war ich schon angemeldet, ging aber nie hin), als auch meine Ernährung umzustellen.

Der Sport

Beim Sport hatte ich damals kein Vorbild oder ein direktes optisches Ziel auf das ich hinarbeiten wollte, ich wollte einfach wieder einen gesünderen Körper haben, den ich auch aktiv nutzen kann. Da meine Gelenke, durch das lange Nichtstun, sehr schwach waren und kaum belastbar, musste ich einen geeignete Lösung finden. Meine damalige Lebenspartnerin hat mich daraufhin dazu überredet, mit ihr zusammen EMS-Training zu versuchen. Zu Beginn war ich skeptisch, hatte jedoch nach einiger Zeit doch Spaß daran und es stellten sich auch die ersten Erfolge ein. Da mir das EMS-Training nach kurzer Zeit schon zu wenig war (Ich bin so ein Ganz oder gar Nicht Typ) fing ich an, nebenbei noch ins Fitnessstudio zu gehen, zu Joggen und Rad zu fahren. Nach der Trennung von meiner Freundin kam es schnell zu dem Punkt an dem ich täglich trainierte und auch Spaß dabei hatte. Für den Sport war also gesorgt.

Die Ernährung

Bei der Ernährung war es etwas anders, zu dieser Zeit war, so fühlte es sich für mich an, der Beginn der Low-Carb-Ära. Mein Bruder war, was das angeht, mein absolutes Vorbild, da er gut gebaut war und sich nach dieser Methode ernährte. Ich holte mir also Tipps vom Profi und stellte meine Ernährung komplett um. Während der Beziehung ging das noch nicht zu 100%, da diese Ernährungsweise meiner Freundin nicht so lag, jedoch konnte ich mich nach der Trennung auch hier komplett reinstürzen. Nach der kompletten Umstellung merkte ich schnell wie die Kilos verschwanden und ich immer schlanker wurde. Die Ernährung war also auch passend für meine Zielsetzung.

Die Abnehmphase

Die eigentliche Abnehmphase ging relativ schnell und gut voran. Ich hatte innerhalb eines Jahres ein Gewicht von 84 Kilogramm erreicht und fühlte mich damit auch relativ gut. Zu diesem Zeitpunkt machte ich mir keine Gedanken darüber ob es sich in die andere Richtung entwickeln könnte oder nicht, ich war Leistungsfähig im Sport und in der Arbeit und die Welt war in Ordnung. Zur selben Zeit hatte ich aber immer den Hintergedanken, dass noch in bisschen mehr geht und auch mein BMI sagte, dass da noch was drin ist. im nächsten halben Jahr machte ich also so weiter und schaffte es auf 74 Kilogramm zu kommen. Hier war eigentlich der Punkt erreicht an dem ich hätte aufhören sollen. Ich war gesund und fühlte mich im Großen und Ganzen eigentlich auch ganz gut dabei.

Die soziale Abspaltung

Durch diesen, doch eher extremen Lebenswandel ergab sich ein neues Problem. Ich spaltete mich immer mehr von meinem sozialen Umfeld ab. Mein Tagesablauf sah eigentlich immer gleich aus und meine freie Zeit wurde zu fast 100% von meiner Ernährung und dem Sport bestimmt. Dadurch kamen alle anderen Freizeitbeschäftigungen zu kurz und auch die Freunde wurden weniger, was effektiv dazu führte, dass ich noch mehr Zeit hatte, mich mit den beiden Themen zu beschäftigen. Im Jahr 2015 zog ich dann von meinem Heimatort in Germering nach München, da ich ein gutes Angebot für eine Wohnung hatte, welche näher an meiner Arbeit lag und dazu auch noch größer war als meine aktuelle Wohnung. Hier hatte ich noch weniger soziale Kontakte und die Abspaltung von der Realität wurde immer schlimmer, bis ich eigentlich nur noch alleine war in meiner Freizeit.

Der “Teufelskreis” beginnt

Durch eine leichte Form von Arithmomanie hatte ich eigentlich auch immer Kenngrößen, an die ich mich halten konnte während ich abnahm. Diese Kenngrößen waren

  1. Mein Gewicht
  2. Mein Körperfettanteil
  3. Die verbrauchten Kalorien durch Sport
  4. Mein Ruhepuls

Meinen Körperfettanteil und mein Gewicht habe ich immer durch spezielle Waagen gemessen und die Kalorien werden bei den meisten Ausdauergeräten im Fitnessstudio angezeigt. Im weiteren Verlauf kam noch eine Pulsuhr mit hinzu, die auch die verbrauchten Kalorien mit aufzeichnet. Die eigentliche Gefahr dahinter war es, dass diese Geräte nie einen exakten Wert angeben und immer Schwankungen unterliegen. Selbst dieses Problem war mir von Beginn an bewusst, jedoch ignorierte ich es. Nach meinem Umzug hatte ich ein Gewicht von ca. 72 Kilogramm und einen gemessenen KFA von 7%. Beide Werte sind eigentlich noch in Ordnung, da die Entwicklung aber weiter nach unten ging sind diese Werte schon am unteren Rand angesiedelt. Weiterhin war es so, dass ich eigentlich auf der Waage immer daran dachte, dass noch ein Kilo mehr schon geht.

2016 hatte ich dann das erste Mal bei 66 Kg das Gefühl und den Gedanken, dass ich etwas anders machen sollte und ich schaffte es auch, wieder auf 72 Kg zu kommen.

Zu Beginn des Jahres 2018 ging es dann wieder in die andere Richtung und ich begann wieder abzunehmen und hier beginnt auch der titulare “Teufelskreis”.

Ich machte meine Nahrungsaufnahme immer mehr davon abhängig, was ich zuvor an Kalorien durch Sport verbraucht hatte. Das bedeutet, wenn ich weniger Kalorien verbraucht hatte, konnte ich auch weniger essen. Das Problem sollte nun jedem langsam klar werden, wenn ich weniger Esse, habe ich weniger Energie, kann weniger schnell oder lang auf z.B. dem Rad fahren, verbrauche “weniger” Kalorien und kann dadurch noch weniger Essen, Das kann auf dauer nicht gut gehen.

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